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| Laura, Lea, Alessandra, Sven und Tuba (von links)
üben - Lehrer Bernhard Hayo schaute mit der Kamera zu. Foto: sz
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Geislautern. Mit einem gut gelaunten "Guten Morgen, lieber Herr Hayo"
beginnt er, der Unterricht der 24 Erstklässler der Schlosspark-Grundschule
in Völklingen-Geislautern. Bis dahin ein Alltag, wie sie ihn mit vielen
Schulneulingen teilen. Was aber ansonsten in dieser ersten Stunde auf die
quirlige Kinderschar wartet, ist in der bundesdeutschen Grundschullandschaft
bislang einmalig. Jeden Morgen um kurz nach acht heißt es für die 24 Kids
seit einem halben Jahr nämlich nicht ran an Stifte, Mathehefte oder
Lesefibeln, sondern Schranktüren auf für die 24 Streichinstrumente: sprich
Geigen, Bratschen und Celli, die Seite an Seite ihres täglichen Einsatzes
harren. Inzwischen geht es auch schon flott mit dem Verteilen und Stimmen.
Jeder erkennt sein Instrument auf Anhieb, ohne erst das Namensschildchen zu
studieren; jeder weiß, wie man es am geschicktesten angreift, in welche Hand
der Bogen, in welche das Instrument gehört.
Der Dienstag ist dabei ein ganz besonderer Tag. Dann nämlich ist
Unterricht mit den vier Profi-Trainerinnen von der Hochschule für Musik Saar
angesagt. Dieses Mal ist sogar der pädagogische Schirmherr, Professor
Michael Dartsch, mit von der Partie, um sich zu überzeugen, was seine
Schützlinge mit den Klassik-Minis inzwischen auf die Beine gestellt haben.
"Bei einigen sieht das schon richtig professionell aus", lobt er. Und auch
die ersten Hörproben zeigen: Das eine oder andere Stückchen kann sich
bereits hören lassen.
Die vier Saiten kennen alle Nachwuchsmusiker schon lange aus dem Effeff,
ob mit oder ohne Bogen. Dass G die tiefste und E die höchste ist, für Celli
und Bratschen aber C und A, das braucht man hier niemandem mehr zu erklären.
Sogar mit verbundenen Augen lassen sich die Geigenkids nicht mehr aus der
Ruhe bringen. Die sieben eifrig zupfenden und streichenden Cello-Schüler von
Sabine Heimrich dürfen heute zum ersten Mal auch die linke Hand "einweihen"
- leere Saiten sind hier sicher schon bald Vergangenheit.
Bei den sechs Bratschenkindern geht es an diesem Morgen ein wenig
gemütlicher zu; Annegret Hoffmann muss sich einiges einfallen lassen, damit
jeder ihrer Schützlinge mit gleichem Elan ans Werk geht. Das Zupfen klappt
bestens, aber sobald die Bögen mit ins Spiel kommen, klappert es noch ein
wenig mit dem Zusammenspiel. Also noch einmal Bögen weg und wieder von
vorne. Siehe da, wenn sich alle anstrengen, lässt sich das kleine
Motivationstief schnell beheben; und das Erfolgserlebnis macht sichtlich
Lust auf mehr.

Im Klassenraum nebenan werden derweil Lockerungsübungen gemacht, die Arme
und Hände ausgeschüttelt, damit sich die kleinen Musiker und Musikerinnen
von den Anstrengungen erholen können. Bernhard Hayo, Klassenlehrer und
Initiator des Projekts, hilft dabei, wo er kann, bringt Schwämmchen, die
unter das Kinn geklemmt werden, oder spricht ein paar aufmunternde Worte,
wenn der eine oder andere erschöpft auf seinen Stuhl sinkt. Auch seine
Bilanz nach den ersten Monaten Streicherprojekt ist durchweg positiv. "Das
Wichtigste ist für mich nach wie vor, dass sie nicht nur lernen, mit den
Instrumenten umzugehen und darauf zu spielen, was die meisten auch ganz toll
machen. Sondern dass sie auch lernen, den anderen zuzuhören und gemeinsam an
einer Sache zu arbeiten." Also all das, was mit dem Projekt im Sinne des
Musikpädagogen Hans-Günther Bastian als Nebeneffekt dieses frühen
schulischen Musiktrainings ohnehin beabsichtigt wurde. Es gibt für Hayo noch
mehr Positives zu berichten: Einige der besonders ehrgeizigen
Nachwuchsstreicher haben sich die Instrumente schon mal ausgeliehen, um den
Eltern oder Großeltern zum Geburtstag ein kleines Ständchen zu bringen.
Und weil Professor Dartsch schließlich nicht alle Tage zu Besuch ist,
spielen sie alle 24 zusammen ihr gesamtes Repertoire durch und haben sich
nach diesem Streichermarathon ihr Pausenbrot redlich verdient.
Meinung
Gute Ideen wirken weit
Von SZ-Redakteurin
Doris Döpke
Ach, daraus wird ja doch
nichts: Solch vorauseilender Pessimismus hat schon vielen guten Ideen
den Garaus gemacht. Das Streicher-Projekt an der Geislauterner
Schlossparkschule hingegen ist ein schönes Beispiel dafür, dass man
eigene Ideen getrost ernst nehmen sollte, auch wenn sie schräg anmuten.
Der Musiklehrer Bernhard Hayo jedenfalls hat seine Idee, eine
Abc-Schützen-Klasse zu einem Streicher-Ensemble zu machen - um der
musikalischen, intellektuellen und sozialen Förderung der Kinder willen
-, mit viel Einsatz und Überzeugungskraft in die Tat umgesetzt. Und
siehe da, in der Völklinger "Provinz" entwickelt sich nun etwas, was
nicht nur die beteiligten Kinder begeistert, sondern auch Musik-Stars in
den Metropolen. Und was in der Schullandschaft der Bundesrepublik einzig
dasteht.
Man braucht also nicht
unbedingt Millionen, um etwas zu bewegen. Auch gute Ideen und der Elan,
sich dafür einzusetzen, wirken weit.
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Hintergrund
Das Echo zu dem bundesweit einmaligen Geislauterner Musik-Projekt
ist weit über die saarländischen Landesgrenzen hinaus groß. Geige, Bratsche
und Cello lernen als Teil des Schulunterrichts, das kommt sogar bei Stars
der Klassik-Szene wie Anne-Sophie Mutter bestens an, davon zeugen die vielen
Fotos und Briefe an der Eingangstür der Klasse.
Nach ersten Gesprächen, die Hayo kürzlich mit dem ideellen
Projekt-Paten Günther Herbig, Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters
Saarbrücken, geführt hat, steht fest, dass die Kooperation bald konkret
wird. Unter anderem, dass die Klasse gelegentlich Proben des RSO besuchen
wird. Und dass man vielleicht sogar zusammen eine Uraufführung auf die Beine
bringen wird. gab
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