Saarbrücker Zeitung vom 18.10.2005

 

 

 

Streicherkonzert für den Nachwuchs

 

von sz-mitarbeiterin gabi Szarvas

26 Kinder haben sich für das Projekt "Geigen gegen Pisa" an der Schlosspark-Grundschule in Geislautern angemeldet. So wurden in der zweiten Projekt-Runde wegen der großen Nachfrage zwei Klassen gebildet. Am Samstag empfingen die Streicher der vormals ersten Klasse ihre Nachfolger mit einem Konzert.

 

So hält man den Bogen: Mit guten Tipps versorgten die alten Hasen unter den Streichern ihre Nachfolger. Foto: das Bilderwerk

Geislautern. Vor einem Jahr saßen sie selbst noch mit staunenden Gesichtern in den Bankreihen der Schulturnhalle und haben den Profis beim Musizieren zugehört. Am letzten Samstag waren sie es selbst, die 24 Kids der ersten Streicherklasse der Völklinger Schlosspark- Grundschule, die ihre Nachfolger mit einem beherzten Ständchen begrüßen konnten. Das Projekt "Mit Geigen gegen Pisa" geht in die zweite Runde, und hat somit den Touch eines Pilotprojekts endgültig hinter sich gelassen. Die Eltern an diesem Vormittag zu Tränen gerührt, einigen ist die ganze Zeit, so erzählen sie begeistert, "die Gänsehaut über den Arm gelaufen". Die konzerterprobten Jungmusiker, inzwischen alle zu Zweitklässlern herangewachsen, kümmerten sich derweil schon mal um die Geigen-, Bratschen- und Cello-Neulinge, die in den nächsten Wochen zum ersten Mal ihre eigenen Instrumente in den Händen halten werden und versorgten sie gleich mit nützlichen Tipps, wie man denn am besten den Bogen hält oder wie das Cello am bequemsten zwischen die Knie passt.

Keine Frage, es ist bemerkenswert, was Projektinitiator Bernhard Hayo in diesem Jahr mit seinen 24 Streicherkids auf die Beine gestellt hat. Eine Selbstverständlichkeit also, dass das Projekt mit Beginn des neuen Schuljahres eine Fortsetzung erfährt. Aufgrund der vielen Anmeldungen, diesmal sind es sogar 26 Kinder, wird es sogar zwei Klassen geben. Diese ehrgeizige Idee hat inzwischen weit über die Landesgrenzen hinaus für Echo gesorgt. Und so haben bereits sogar einige Stars der Klassikszene, darunter Dirigentin Marin Alsop, Geigerin Anne-Sophie Mutter, Kent Nagano, Jan Vogler oder auch das Hilliard Ensemble ihre Begeisterung in Briefen und E-Mails bekundet und ihre besten Wünsche geäußert. Wohl wissend, welchen Stein Hayo damit ins Rollen bringen könnte. Sowohl was den pädagogischen Erfolg angeht, sprich Intelligenzentwicklung, Förderung des Teamgeistes und der Konzentration durch aktives Musizieren, als auch der Herrschaft der "Graumelierten" im Konzertsaal Klassikbegeisterten Nachwuchs an die Seite zu stellen.

Vorausgesetzt, das Projekt macht bundes- oder möglicherweise sogar europaweit Schule. Dafür sorgt Hayo gleich selbst. An der Freiburger pädagogischen Hochschule wird er im November über sein Projekt und die maßgeblichen Erfahrungen berichten, um interessierten Nachahmern des Projekts eine Starthilfe zu geben. Wichtig sei, meint er, dass man eben einfach mal damit anfange, so wie er es selbst getan habe. "Ich wusste natürlich gar nicht was da auf mich zukommen würde, aber das war wohl auch besser so. Ich dachte, wir fangen einfach mal an und dann sehen wir weiter."

Spontan, improvisationsfreudig und weder Kosten noch Mühen scheuend, so hat es Hayo damals geschafft, die 24 Instrumente für seine Erstklässler zu organisieren, Professor Michael Dartsch von der Hochschule für Musik Saar und vier seiner Schülerinnen als pädagogische Experten mit ins Boot zu nehmen, Sponsoren zu gewinnen, einen eigenen Förderverein "Streicherprojekt" aus der Taufe zu heben, dem inzwischen 30 Mitglieder angehören, (wobei neue Mitglieder natürlich jederzeit willkommen seien, so Hayo), und Günther Herbig, den Chefdirigenten des Rundfunksinfonieorchesters Saarbrücken als ideellen Paten zu gewinnen. Und so gab es ja auch schon die erste spannende Begegnung der Nachwuchsstreicher mit den Profis, vor wenigen Wochen im Großen Sendesaal des Funkhauses Halberg.

Inzwischen haben viele Eltern der jetzigen Zweitklässler die Instrumente gekauft, anderen wird eine Art Mietvertrag mit einer eher symbolischen Summe über den neuen Förderverein angeboten. Aber in jedem Fall bestehe natürlich die Möglichkeit, das Instrument jederzeit für ein Geburtstagsständchen oder zum Üben mit nach Hause zu nehmen, "was eigentlich immer öfter passiert" erzählt Hayo. Mit seinen Zweitklässlern plant er ganz vorsichtig auch schon mal in Richtung Ensemble-Musik, "Pinocchio-Trio oder Gummibärchen-Quartett", das seien Ideen, die ihm Moment im Kopf herumspuken und in zwei, drei Jahren, wenn es dann um die 100 Kids sind, hoffentlich auch ein echtes Schulorchester. In jedem Fall aber wolle man dafür sorgen, dass man wenn die Neuen dann mal so weit sind, ein bisschen cross over betreibt, das heißt, die besonderen Talente in Gruppen zusammensteckt, und die Schwächeren in kleineren Gruppen mehr fördert.

Visionen, die Rektorin Petra Pitillo ebenso realistisch sieht, und die sie gerne teilt. Ein echter Bonus sei die Streicherklasse jedenfalls, mit dem man ins Rennen um eine Modellschule gestartet sei. Und so seien auch von der Stadt inzwischen positive Signale zu vermelden, so Hayo, zumindest, was den Einbau und die Finanzierung der Instrumentenschränke in den neuen ersten Klassen angehe.