| Geislautern. Seit Wochen schon haben die 24 Erstklässler der
Schlossparkschule Geislautern auf diesen Tag hingefiebert. Um Punkt acht
am Dienstagmorgen, dem zweiten Schultag nach den Herbstferien, stand
nämlich zum ersten Mal Geigen-, Bratschen- und Cellounterricht auf dem
Stundenplan. Wofür extra drei junge Damen von der Hochschule für Musik
Saar anreisten, nicht nur mit ihren Instrumenten im Gepäck, sondern
zusätzlich schwer beladen mit Celloteppichen und Cellohockern. Die
Instrumente der Kids, zwölf Geigen, fünf Bratschen und sieben Celli,
fein säuberlich in den Schränken der ersten Klasse verstaut, harrten mit
Namensschildchen versehen und bereits an Kinderhände angepasst auf ihren
Einsatz. Gestern war es so weit, Lehrer Bernhard Hayo öffnete die
Schränke und gab somit die Bühne frei für sein Projekt "Mit Geigen gegen
Pisa".
Bevor es aber tatsächlich an die Instrumente ging, gab es erst einmal
nützliche Tipps von Cellopädagogin Sabine Heimrich. Schließlich muss man
ja zunächst mal wissen, wie und wo man so ein Cello am besten anfasst
und wo nicht. Außerdem sollten die Schulneulinge natürlich gleich
lernen, dass man mit so einem Instrument sehr vorsichtig umgeht, am
besten "nicht füttern, das braucht ein Cello zum Glück nicht", so Sabine
Heimrich, und "keine Cola oder ähnlich klebrige Sachen darüber gießen".
Dann endlich wurden die Instrumente verteilt, durften Niklas und Okan
mit strahlenden Augen ihre Celli in Empfang nehmen, Michelle ihre kleine
Geige. Klar, dass erst einmal neugierig befühlt und gezupft wurde, und
ein Meer von A's, E's und G's im Klassenraum umherschallte, aber es
wurde auch gleich richtig geübt: Wie man das Instrument genau hält.
Die Geigen- und Bratschen-Minis versammelten sich dazu im Nebenraum
und versuchten, die kleinen Instrumente unter Anleitung der beiden
Profis Julia Schüly und Annegret Hoffmann unter die linke Kinnseite zu
klemmen. Bei einigen sah das schon fast professionell aus, andere
wiederum mussten sich erst einmal mit dem braunen Holzgerät anfreunden.
Anstrengend war es für alle Geigen- und Bratschenneulinge, denn
schließlich muss man das Instrument ja hoch halten und dabei die Arme
lange heben. Damit hatten Julia Schüly und Annegret Hoffmann gerechnet
und den Erstklässlern gleich erste Lockerungsübungen verordnet. Der
Cello-Nachwuchs stürmte derweil im Nebenraum die bunten Hocker und
lernte zuerst, dass man nicht hinten auf dem Stuhl, sondern am besten
auf der Kante sitzt - mit geradem Rücken. Und weil das Griffbrett ja so
unendlich lang ist, gab's die erste Orientierungshilfe: einen leuchtend
roten Punkt, damit man ohne Probleme erkennt, wo der rechte Daumen
hinkommt, wenn man die Saiten zupft. Musik machen geht ja auch ohne
Bögen, und so hatten die drei Lehrerinnen ein erstes Lied mitgebracht,
das man einfach zupfen kann. Es klapperte zwar noch ziemlich wild
durcheinander, aber für die erste Stunde reichte es ja schon zu wissen,
wie die vier Saiten eigentlich heißen und dass auf der Geige die höchste
ein E ist, also auf der rechten Seite zu finden, und die Celli und
Bratschen diese nicht haben. Dafür aber eine ganz dunkle Saite, das
tiefe C.
An Projektinitiator Bernhard Hayo ist es jetzt, die Woche über mit
seinen 24 Kids zu üben, damit man in der nächsten Unterrichtsstunde
kommenden Dienstag um acht Uhr Neues lernen kann.
Auf einen Blick
"Mit Geigen gegen Pisa" lautet das Motto des bundesweit
einmaligen Projektes an der Schlosspark-Grundschule Geislautern, bei dem
eine ganze erste Schulklasse Streichinstrumente spielen lernt.
Unterrichtet werden die Kinder - für die Eltern kostenlos - von
Studenten der Saar-Musikhochschule; der Unterricht wird finanziell vom
Saar-Kultusministerium und der Arbeit und Kultur GmbH getragen, für die
Instrumente sorgten Sponsoren. Hochschul-Professor Michael Dartsch
betreut das Projekt wissenschaftlich. Grundlage des Konzepts sind
Studien zum positiven Einfluss von Musik auf die Intelligenzentwicklung
von Kindern. red |