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 (Saarbrücker Zeitung vom 27.10. 04)
Mit Geigen gegen Pisa oder: Ein Projekt
macht Schule
Bernhard Hayo, Lehrer an der Schlossparkschule in Geislautern, setzt auf Musik - gegen die allseits beklagte Schulmisere
Von SZ-MITARBEITERIN Gabi Szarvas
Sie lernen Geige, Bratsche oder auch Cello spielen: 24 Erstklässler der Schlossparkschule in Geislautern haben mit ihrem Lehrer Bernhard Hayo ein vorbildliches Projekt begonnen. Wie sie solch ein Instrument halten und pflegen, übten die Kinder mit Eifer am ersten Tag.
Geislautern. Seit Wochen schon haben die 24 Erstklässler der Schlossparkschule Geislautern auf diesen Tag hingefiebert. Um Punkt acht am Dienstagmorgen, dem zweiten Schultag nach den Herbstferien, stand nämlich zum ersten Mal Geigen-, Bratschen- und Cellounterricht auf dem Stundenplan. Wofür extra drei junge Damen von der Hochschule für Musik Saar anreisten, nicht nur mit ihren Instrumenten im Gepäck, sondern zusätzlich schwer beladen mit Celloteppichen und Cellohockern. Die Instrumente der Kids, zwölf Geigen, fünf Bratschen und sieben Celli, fein säuberlich in den Schränken der ersten Klasse verstaut, harrten mit Namensschildchen versehen und bereits an Kinderhände angepasst auf ihren Einsatz. Gestern war es so weit, Lehrer Bernhard Hayo öffnete die Schränke und gab somit die Bühne frei für sein Projekt "Mit Geigen gegen Pisa".

Bevor es aber tatsächlich an die Instrumente ging, gab es erst einmal nützliche Tipps von Cellopädagogin Sabine Heimrich. Schließlich muss man ja zunächst mal wissen, wie und wo man so ein Cello am besten anfasst und wo nicht. Außerdem sollten die Schulneulinge natürlich gleich lernen, dass man mit so einem Instrument sehr vorsichtig umgeht, am besten "nicht füttern, das braucht ein Cello zum Glück nicht", so Sabine Heimrich, und "keine Cola oder ähnlich klebrige Sachen darüber gießen".

Dann endlich wurden die Instrumente verteilt, durften Niklas und Okan mit strahlenden Augen ihre Celli in Empfang nehmen, Michelle ihre kleine Geige. Klar, dass erst einmal neugierig befühlt und gezupft wurde, und ein Meer von A's, E's und G's im Klassenraum umherschallte, aber es wurde auch gleich richtig geübt: Wie man das Instrument genau hält.

Die Geigen- und Bratschen-Minis versammelten sich dazu im Nebenraum und versuchten, die kleinen Instrumente unter Anleitung der beiden Profis Julia Schüly und Annegret Hoffmann unter die linke Kinnseite zu klemmen. Bei einigen sah das schon fast professionell aus, andere wiederum mussten sich erst einmal mit dem braunen Holzgerät anfreunden. Anstrengend war es für alle Geigen- und Bratschenneulinge, denn schließlich muss man das Instrument ja hoch halten und dabei die Arme lange heben. Damit hatten Julia Schüly und Annegret Hoffmann gerechnet und den Erstklässlern gleich erste Lockerungsübungen verordnet. Der Cello-Nachwuchs stürmte derweil im Nebenraum die bunten Hocker und lernte zuerst, dass man nicht hinten auf dem Stuhl, sondern am besten auf der Kante sitzt - mit geradem Rücken. Und weil das Griffbrett ja so unendlich lang ist, gab's die erste Orientierungshilfe: einen leuchtend roten Punkt, damit man ohne Probleme erkennt, wo der rechte Daumen hinkommt, wenn man die Saiten zupft. Musik machen geht ja auch ohne Bögen, und so hatten die drei Lehrerinnen ein erstes Lied mitgebracht, das man einfach zupfen kann. Es klapperte zwar noch ziemlich wild durcheinander, aber für die erste Stunde reichte es ja schon zu wissen, wie die vier Saiten eigentlich heißen und dass auf der Geige die höchste ein E ist, also auf der rechten Seite zu finden, und die Celli und Bratschen diese nicht haben. Dafür aber eine ganz dunkle Saite, das tiefe C.

An Projektinitiator Bernhard Hayo ist es jetzt, die Woche über mit seinen 24 Kids zu üben, damit man in der nächsten Unterrichtsstunde kommenden Dienstag um acht Uhr Neues lernen kann.

Auf einen Blick

"Mit Geigen gegen Pisa" lautet das Motto des bundesweit einmaligen Projektes an der Schlosspark-Grundschule Geislautern, bei dem eine ganze erste Schulklasse Streichinstrumente spielen lernt. Unterrichtet werden die Kinder - für die Eltern kostenlos - von Studenten der Saar-Musikhochschule; der Unterricht wird finanziell vom Saar-Kultusministerium und der Arbeit und Kultur GmbH getragen, für die Instrumente sorgten Sponsoren. Hochschul-Professor Michael Dartsch betreut das Projekt wissenschaftlich. Grundlage des Konzepts sind Studien zum positiven Einfluss von Musik auf die Intelligenzentwicklung von Kindern. red

 

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