Auf Tuchfühlung mit Geige und Cello
| Auf Tuchfühlung mit Geige und Cello (Saarbrücker Zeitung vom 25. 9. 04) | |||||||
| Erstklässler an der Geislauterer Schlossparkschule freuen sich auf ein Musikprojekt | |||||||
| Von SZ-Mitarbeiterin Gabi Szarvas |
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| 24 Erstklässler durften am vergangenen Donnerstag maßgefertigte Streichinstrumente ausprobieren. Wenn sich Sponsoren finden, kann die ganze Klasse bald mit dem Unterricht beginnen. | |||||||
Geislautern. Dass die Geislauterer Schlosspark-Grundschule in vielerlei Hinsicht ein besonderes Faible für das Kreative hat, das hat sich längst herumgesprochen. Die Plakette "Singende Grundschule" gab's für den 70-köpfigen Schulchor, und auch sonst hat die engagierte Lehrerriege um Rektorin Petra Pitillo schon diverse Projekte um Bücher, Kunst und Musik auf die Beine gestellt. Kein Wunder, dass in der Grundschule immer was los ist, auch Donnerstagnachmittags um drei. Am vergangenen Donnerstag um diese Zeit waren aus der Turnhalle der Schlossparkschule zum Beispiel Klänge von Bach und sonstigen alten Meistern zu vernehmen. Die Halle hatte man kurzerhand zum Konzertsaal umfunktioniert, um das neueste ehrgeizige Projekt "Mit Geigen gegen Pisa" zu zünden. Es stammt aus der Ideenschmiede von Lehrer Bernhard Hayo. Auf den Holzbänken saßen und lauschten 26 aufgeregt kichernde und wuselnde Erstklässler und ihre Eltern, sowie einige Vertreter der Politik. Ein Schulorchester aus der Taufe zu heben, davon träumt Hayo nicht erst seit gestern. Möglicherweise ist er diesem Wunsch jetzt ein gutes Stück näher gekommen. Hochschul-Professor Michael Dartsch, der "pädagogisch-didaktische Schirmherr" des Projekts, war mit den Violin-Studentinnen Annegret Hoffmann und Julia Schüly und Cellopädagogin Sabine Heimrich zum ersten akustischen Check vorbei gekommen. Sie wollten dem künftigen musikalischen Nachwuchs zeigen, was das eigentlich ist, so eine Geige, eine Bratsche oder ein Cello. Und die schlagendsten Argumente, die hatten die Musiker natürlich auch im Gepäck: jede Menge speziell für kleine Kinderhände gemachte Instrumente, die erst einmal verlockend in ihren winzigen Kästchen schlummerten. Zunächst waren die Profis selbst an der Reihe, jedes der drei Instrumente vorzustellen: einzeln und im Duo, Trio oder Quartett. Das ging natürlich am besten mit einem musikalischen Streifzug durch die Jahrhunderte - von einem 800 Jahre alten englischen Sommerlied über Wolfgang Amadeus Mozart bis hin zur Sendung mit der Maus. Schließlich sollten die Kinder gleich wissen, dass man auf so einem braun glänzenden, hölzernen Cello oder einer Geige längst nicht nur klassische Musik machen kann. Und dann endlich hieß es für die 26 gespannt wartenden Erstklässler: selbst ran an die Instrumente und ausprobieren. Bis Dienstag muss die Entscheidung stehen, welches der drei, ob Geige, Bratsche oder Cello, dem Nachwuchs nach dieser ersten aufregenden Tuchfühlung am Besten gefällt. Für Giuseppe und Julia scheint die Sache schon jetzt klar: Sie haben sich mit dem Cello bereits bestens angefreundet. Hoch konzentriert wird gestrichen und gezupft, was das mit bunten Punkten beklebte Mini-Cello hergibt. Am Dienstag werden die Instrumente dann vom Saarbrücker Geigenbaumeister Jürgen Dietrich Krause angepasst, eines hat der Saarländische Landesverband der Liebhaberorchester um Horst Riller zur Verfügung gestellt. Und nach den Herbstferien, so verspricht Hayo, kann es auch schon losgehen mit dem ersten Unterricht. Zwei mal zwei Unterrichtsstunden seien von Ministeriumsseite gesichert. Somit ist dieses Projekt, in dem bundesweit zum ersten Mal eine ganze erste Klasse die Möglichkeit erhält, ein Streichinstrument zu lernen, erst einmal in trockenen Tüchern. Professor Dartsch wird dabei im Hintergrund die Fäden ziehen. Er setzt auf eine Mischung aus elementarer Musikpädagogik. Einerseits also singen, tanzen und eher spielerischer Umgang mit der Musik. Dazu kommt dann der konkrete Unterricht der Kinder mit dem jeweiligen Instrument. Finanziell allerdings steht die Streicherklasse "Mit Geigen gegen Pisa" noch nicht auf ganz sicheren Füßen, so Bernhard Hayo. Denn für die fehlenden 5000 bis 6000 Euro werden noch immer freigiebige Sponsoren gesucht. |
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