Chor an der Saar - Zeitschrift des Saar-Sängerbundes
Ausgabe Nr. 6 November/Dezember 2004
Dass die Geislauterer Schlosspark-Grundschule in vielerlei Hinsicht ein besonderes Faible für das Kreative hat, das hat sich längst herumgesprochen. Die Plakette „Singende Grundschule“ gab’s für den 70köpfigen Schulchor, und auch sonst hat die engagierte Lehrerriege um Rektorin Petra Pitillo schon diverse Projekte um Bücher, Kunst und Musik auf die Beine gestellt. Einer der ambitioniertesten Lehrkräfte, wenn es um die musikalische Schulung der Kids geht, ist Bernhard Hayo. Die Frucht der Arbeit dieses Jahres: sein Projekt „Mit Geigen gegen Pisa“, das nach monatelanger Vorbereitungszeit vor wenigen Wochen gestartet ist.
Nicht erst seit gestern trägt sich Hayo mit der Idee, ein Schulorchester aus der Taufe zu heben. „Ich hab hier an der Schule einfach gesehen, was mit den Kleinen zu machen ist, wie begeisterungsfähig und wie verrückt die nach Musik sind. Und da war natürlich nichts näher liegend als zu sagen, jetzt machen wir mal eine Geigenklasse“. Gesagt – getan. Eine komplette Schulneulingsklasse von rund 24 Kindern sollte nach Hayos Vorstellungen mit Streichinstrumenten ausgestattet werden. D.h. 24 Geigen, Bratschen und Celli im Miniformat, mit denen die Kids Tag für Tag üben können, „und zwar alle, denn Musik soll kein Privileg der Besserverdienenden sein“. Kommt hinzu der erzieherische Effekt dieser Idee. Schließlich sei längst bewiesen, dass Musikpädagogik ganz nebenbei das leiste, was man mit mühseligen Übungen in den übrigen Fächern zu trainieren versuche: Konzentration, auswendig lernen, diszipliniertes Arbeiten. Das weiß man spätestens seit den Referenzstudien des Frankfurter Musikpädagogen Hans-Günther Bastian.
Für Hayo hieß es dann zunächst mit engagierten Werbungsmaßnahmen die erforderlichen 15000€ Kapital großzügigen Sponsorenhänden zu entlocken (mehr als die Hälfte ist inzwischen zusammen), dann Schirmherren an Land zu ziehen. Als ideeller Pate fungiert nun kein anderer als der Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken, Günther Herbig, als „pädagogisch-didaktischer Schirmherr“ Professor Michael Dartsch von der Hochschule für Musik Saar. Zusammen mit zwei Violin-Studentinnen (Annegret Hoffmann und Julia Schüly) und Cellopädagogin Sabine Heimrich, bereits Absolventin der Hochschule für Musik Saar, kam er im September zum ersten akustischen Check in der Schlossparkschule vorbei, um dem künftigen musikalischen Nachwuchs zu zeigen, was das eigentlich ist, so eine Geige, eine Bratsche oder ein Cello. Und die schlagendsten Argumente, die hatte man natürlich auch im Gepäck: jede Menge speziell für kleine Kinderhände gemachte Instrumente, die auf ihren Einsatz warteten. An diesem Tag fiel dann auch die Entscheidung, welches der drei Instrumente wem denn am meisten zusagt. Und so kam es zur endgültigen Quote von zwölf Geigen, fünf Bratschen und sieben Celli.
Die meisten der braun glänzenden Miniaturinstrumente wurden vom Saarbrücker Geigenbauer Dietrich Krause zur Verfügung gestellt, denn das war einer der wesentlichsten Aspekte der Idee für Hayo, „das nur gute Instrumente in die Kinderhände gelangen und keine billigen Sperrholzteile“. Damit die Kinder gleich Klanggefühl entwickeln“.
Seit dem ersten Schultag nach den Herbstferien sind die Streichinstrumente nun endlich angepasst und alle fein säuberlich nebeneinander im Klassenzimmerschrank aufgereiht, mit bunten Punkten bestückt und mit Namen versehen. Herausgenommen werden sie jeden Morgen, „wie tägliches Zähneputzen“ meint Hayo und dann wird erst einmal gemeinsam geübt. Einmal die Woche unter professioneller Anleitung, denn dann kommen die drei jungen Lehrerinnen vorbei, um den Streichernachwuchs nach und nach in die Geheimnisse des Geigen-, Bratschen- und Cellospiels einzuweihen. Nach Hause dürfen die Instrumente erst dann mit, wenn das mit dem „Aus- und Einpacken und dem sorgsamen Umgang auch so richtig aus dem Effeff läuft“, so Hayo. Schließlich sollen die Kids doch irgendwann die Möglichkeit haben, auch mal der „Oma zum Geburtstag vorzuspielen oder an Weihnachten, oder auch einfach nur zum Üben“. Der schulische Förderverein verwaltet die Instrumente, für die Eltern besteht allerdings jederzeit die Möglichkeit, sie zu mieten oder zu kaufen. Am Schuljahresende wird dann Großputz gemacht: Instrumente können abgegeben werden, „zwingen will man schließlich niemanden“, so Hayo, kleine Geigen können in größere umgetauscht, neue Instrumente für die neuen Erstklässler gekauft werden. Überhaupt ist Nachhaltigkeit ein ganz zentrales Thema, denn der Aufwand lohnt sich natürlich nur, wenn man die Schüler auch nach Abschluss der vierten Klasse in guten musikpädagogischen Händen weiß. Zu diesem Zweck sollen Instrumentalpatenschaften über den Saarländischen Landesverband der Liebhaberorchester (SLLO) geschlossen werden, und – wenn es sich denn etablieren sollte, ein Schlossparkorchester als Nachmittags-AG, das die engagierten Jungstreicher auffängt.
Gabi Szarvas