das liebhaberorchester
Zeitschrift für das Liebhabermusizieren

Bundesverband deutscher Liebhaberorchester e.V

49. Jahrgang - Heft 1 - April 2005
von Horst Riller

Mit Geigen gegen Pisa

Unter dem provozierenden Titel „Mit Geigen gegen Pisa" hat die Grundschule Schloßparkschule in Völklingen-Geislautern im Saarland sich entschlossen, eine gesamte erste Klasse mit Beginn im Herbst 2004 ein Streichinstrument lernen zu lassen. Bei einem Vorstellungskonzert des Projekts durch Studenten der Musikhochschule des Saarlandes, konnten die Kinder sich für Geige, Bratsche oder Cello entscheiden. Über ein Jahr hat Musiklehrer Hayo, der auch über Erfahrungen als Leiter eines Kinderchors verfügt, dann von Sponsoren Geld für die Anschaffung der 23 Instrumente eingeworben. Den Instrumentalunterricht übernehmen ältere Studenten der Musikhochschule in Saarbrücken, den Musikunterricht selbst hält Michael Dartsch, Professor für Elementare Musikpädagogik und Geigendidaktik. Die Patenschaft übernahm der Chefdirigent des Saarl. Rundfunkorchesters

Nähert man sich in den Morgenstunden der Schule so hört man von Weitem     Geigenschall, denn jeden Morgen übt Hayo, der die Klasse leitet, mit seinen Schülern. Das Kultusministerium hat der Grundschule eine dritte Musikstunde zugestanden, in Kürze soll die Schule Nachmittagsbetreuung erhalten. Den Eltern der acht türkischen, sechs italienischen und zehn deutschen Kinder entstehen im ersten Jahr keine Kosten, im zweiten müssen sie allerdings ein Instrument leihen oder kaufen.

Der Saarländische Landesverband der Liebhaberorchester ( SLLO ) war von Anfang an von diesem außergewöhnlichen Projekt angetan und hat Herrn Hajo ein ¼ Cello leihweise zu Verfügung gestellt.

 Es ist faszinierend mit welcher Disziplin die kleinen Schüler sich von Wand zu Wand drehen um die dort jeweils aufgeschriebenen drei Takte abzuspielen, gezupft oder gestrichen, mit korrekter Handhaltung und Bogenführung. Da die drei Takte jeder Wand jeweils gleichzeitig gespielt werden, ergibt das bereits ein harmonisches rythmisch differenziertes Zusammenspiel, das mit Klavierklängen ergänzt wird.  Bisher hat dieses Projekt einen so nicht erwarteten  positiven Verlauf, dass Hayo und die hochmotivierte Schulleiterin schon an die nächste Anfängerklasse denkt. Ein kompletter Klassenzug soll dann in ein paar Jahren musizieren. Sind die guten allgemeinen Schulleistungen dieser Klasse  nur Zufall, oder beeinflußt das gemeinsame Musikerlebnis auch das Lernverhalten der Kinder in anderen Fächern bereits positiv? Hayo ist überzeugt davon, dass Musikunterricht der beste Förderunterricht sei: „Ich würde immer eine Musikstunde geben, anstatt eine weitere Förderstunde in Mathematik zu erteilen." Da darf man wohl weiter neugierig bleiben. (hr)

PS. Übrigens fehlt der Klasse noch ein Viertel-Kontrabass. Bitte beim SLLO melden!