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Wittrich.JPG (37249 bytes) Peter Wittrich
Komponist,
* 1959
Hayo-Music

Kompositionen

Aktuell
Artikel von Christiane Franke in 
"Lied und Chor"

Zeitgemäß und wirkungsvoll:
Heine-Lieder von Peter Wittrich

Peter Wittrich einen bestimmten Kompositionsstil zuzuordnen, ist nahezu unmöglich, es sei denn, man spräche von Stilvielfalt, stets danach ausgerichtet, den zu Vertonung ausgewählten Text vor dem Hintergrund seiner Entstehung, seiner Zielrichtung und seiner zeitgemäßen Deutung mit den Mitteln der Musik zu intensivieren. Für seinen Zyklus Heine-Lieder für gemischten Chor a cappella entwarf er für jedes der fünf ausgewählten Gedichte ein für den Textinhalt charakteristisches Motiv in einer Tonart, die die Grundstimmung der jeweiligen Textaussage wiederspiegelt, ohne allerdings in diesen Vordergründigkeiten haften zu bleiben. So schrieb er dem ersten Lied "Gekommen ist der Maie" aus "Fünf Frühlingslieder" ein strahlendes A-Dur zu, konfrontiert allerdings das überwiegend in Terzen und Sexten dahintänzelnde, wie die Entwicklung zeigt trügerisch volkstümlich anmutende achttaktige Motiv mit dem Dauerton "a" , welcher das gesamte Stück hindurch in nahtlosen Wechseln durch alle vier Stimmlagen zieht. Seit Schumanns Dichterliebe hat sich der an zweiter Stelle in Wittrichs Zyklus vertonte Text "Ich hab im Traum geweinet" tief in das Bewusstsein eingegraben. Wittrich findet auch hier seine eigene Tonsprache, um über stimmliche Verdichtung, reibungsvolle Akkordschichtungen, auseinanderfließende Melodien und momentane, choralartig mutende Teile den Text neu zu formen. "Rasch und ungestüm" so die Vorgabe des Komponisten zum dritten Lied "Der Sturm spielt auf zum Tanze" , treibt der Text die Melodie voran. Ein gelungenes Scherzo, basierend auf schnell aufeinanderfolgenden, mit Vorhalten angereicherten Akkorden. 
Lange Notenwerte, die Reduktion auf  Ein- bzw. Zweistimmigkeit, lediglich verstärkt durch die Führung im Oktavabstand je zweier zugeordneter Stimmen, verminderte Akkorde, minimale Bewegungen und feine dynamische Auslotung, eingebettet in das Grundzeitmaß einer Sekundenlänge zwingen im Intermezzo zum Heine-Gedicht "Es stehen unbeweglich" aus dem "Herbstzyklus" zur Ruhe, bevor Wittrichs Lieder-Zyklus in ein von Oktaven und Terzen bestimmtes, heiteres lyrisches Finale mündet. Auch hier mündet der Satz, wie die vorangegangenen vier, in einen Nachklang, um die Quintessenz des jeweiligen Textes noch einmal in charakteristischer Weise zu unterstreichen.
Für diesen Heine-Zyklus erhielt Peter Wittrich den 2. Preis beim Valentin E-Becker-Kompo- sitionswettbewerb 1999. Die gesamte Aufführungsdauer beträgt ca. 8 Minuten. Es ist faszinierend, welche Vielfalt an Stimmungs- und Gefühlszuständen Wittrich  hier auf engstem Raum entfaltete, ohne zu übertreiben, zu überhäufen, oder zu verkitschen. Heine, so Wittrichs Credo zwischen den Notenzeilen, ist unvermindert aktuell. Dies fordert einen gemischten Chor bei der Interpretation dieses Zyklus in besonderer Weise heraus. Leichtigkeit und Flexibilität in der Gestaltung der vielfach geforderten Nuancierungen von Ton, Klang und Dynamik sind unverzichtbar. Ebendso rhythmische Sicherheit und klare Artikulation, sowie die Fähigkeit zu schnellen Wechseln von einer Stimmung in die andere. Wer dies in entsprechender Weise zu vermitteln versteht, kann sich einer wirkungsvollen, aussagekräftigen und alle Beteiligten begeisternde Aufführung gewiss sein.
Noten sind beim Verlag Ferrimontana erhältlich.

Christiane Franke

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Letztes Update: 11.11.1999