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Artikel von Christiane Franke
in
"Lied und Chor"
Zeitgemäß und wirkungsvoll:
Heine-Lieder von Peter Wittrich Peter Wittrich einen
bestimmten Kompositionsstil zuzuordnen, ist nahezu unmöglich, es sei
denn, man spräche von Stilvielfalt, stets danach ausgerichtet, den zu
Vertonung ausgewählten Text vor dem Hintergrund seiner Entstehung,
seiner Zielrichtung und seiner zeitgemäßen Deutung mit den Mitteln der
Musik zu intensivieren. Für seinen Zyklus Heine-Lieder für gemischten
Chor a cappella entwarf er für jedes der fünf ausgewählten Gedichte
ein für den Textinhalt charakteristisches Motiv in einer Tonart, die
die Grundstimmung der jeweiligen Textaussage wiederspiegelt, ohne
allerdings in diesen Vordergründigkeiten haften zu bleiben. So schrieb
er dem ersten Lied "Gekommen ist der Maie" aus
"Fünf Frühlingslieder" ein strahlendes A-Dur zu,
konfrontiert allerdings das überwiegend in Terzen und Sexten
dahintänzelnde, wie die Entwicklung zeigt trügerisch volkstümlich
anmutende achttaktige Motiv mit dem Dauerton "a" , welcher das
gesamte Stück hindurch in nahtlosen Wechseln durch alle vier Stimmlagen
zieht. Seit Schumanns Dichterliebe hat sich der an zweiter Stelle in
Wittrichs Zyklus vertonte Text "Ich hab im Traum geweinet"
tief in das Bewusstsein eingegraben. Wittrich findet auch hier
seine eigene Tonsprache, um über stimmliche Verdichtung, reibungsvolle
Akkordschichtungen, auseinanderfließende Melodien und momentane,
choralartig mutende Teile den Text neu zu formen. "Rasch und
ungestüm" so die Vorgabe des Komponisten zum dritten Lied
"Der Sturm spielt auf zum Tanze" , treibt der Text die Melodie
voran. Ein gelungenes Scherzo, basierend auf schnell
aufeinanderfolgenden, mit Vorhalten angereicherten Akkorden.
Lange Notenwerte, die Reduktion auf Ein- bzw. Zweistimmigkeit, lediglich
verstärkt durch die Führung im Oktavabstand je zweier zugeordneter
Stimmen, verminderte Akkorde, minimale Bewegungen und feine dynamische
Auslotung, eingebettet in das Grundzeitmaß einer Sekundenlänge zwingen
im Intermezzo zum Heine-Gedicht "Es stehen unbeweglich"
aus dem "Herbstzyklus" zur Ruhe, bevor Wittrichs Lieder-Zyklus
in ein von Oktaven und Terzen bestimmtes, heiteres lyrisches Finale
mündet. Auch hier mündet der Satz, wie die vorangegangenen vier, in
einen Nachklang, um die Quintessenz des jeweiligen Textes noch einmal in
charakteristischer Weise zu unterstreichen.
Für diesen Heine-Zyklus erhielt Peter Wittrich den 2. Preis beim
Valentin E-Becker-Kompo- sitionswettbewerb 1999. Die gesamte
Aufführungsdauer beträgt ca. 8 Minuten. Es ist faszinierend, welche
Vielfalt an Stimmungs- und Gefühlszuständen Wittrich hier auf
engstem Raum entfaltete, ohne zu übertreiben, zu überhäufen, oder zu
verkitschen. Heine, so Wittrichs Credo zwischen den Notenzeilen, ist
unvermindert aktuell. Dies fordert einen gemischten Chor bei der
Interpretation dieses Zyklus in besonderer Weise heraus. Leichtigkeit
und Flexibilität in der Gestaltung der vielfach geforderten
Nuancierungen von Ton, Klang und Dynamik sind unverzichtbar. Ebendso
rhythmische Sicherheit und klare Artikulation, sowie die Fähigkeit zu
schnellen Wechseln von einer Stimmung in die andere. Wer dies in
entsprechender Weise zu vermitteln versteht, kann sich einer
wirkungsvollen, aussagekräftigen und alle Beteiligten begeisternde
Aufführung gewiss sein.
Noten sind beim Verlag Ferrimontana erhältlich.
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