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Die
hier veröffentlichten vier kurzen Chorsätze sind streng
vierstimmig ohne Divisi.
In ihrer direkten Sprache sind sie für Kammerchor a
cappella gedacht oder können sogar von einem SATB-Vokalquartett
gesungen werden. Die Vier
Wiegenlieder eignen sich besonders zur festlichen Gestaltung
eines Gottesdiensts in der Weihnachtszeit. Sie bieten sich aber auch
als wirkungsvolles Konzertrepertoire an und können entweder einzeln
oder als Zyklus in der hier vorliegenden Reihenfolge wiedergegeben
werden. Die musikalische Sprache dieser Komposition entspringt einer
erweiterten Tonalität, die auch modale Elemente und ein paar
unerwartete harmonische Rückungen zulässt. Erfahrene Chorsänger
werden mit dieser Herausforderung leicht zurecht kommen und die mal
sanften, mal strengen Harmonien mit dem allen vier Stücken zugrunde
liegenden Level an Dissonanz in Einklang bringen. Subtile dynamische
Änderungen und fließende, doch niemals eilige Tempi wären wünschenswert.
Das
erste Liedpaar, “Jesu Sweete, Sonne Dear” und
“At the Manger: Mary Sings”, kontrastiert einen anonymen
Text des frühen 15. Jahrhunderts mit einem Gedicht des vergangenen
Jahrhunderts von Wystan Hugh Auden (1903-73). Im zweiten Paar ist
die Reihenfolge vertauscht: “The World’s Desire”
ist die Vertonung eines Gedichts von Gilbert Keith Chesterton
(1874-1936), dem das bekannte mittelalterliche “I sing of a
Maiden” folgt, ein mittelalterlicher Text aus anonymer
Quelle, wahrscheinlich aus dem späten 15. Jahrhundert. Einen
weiteren Grad an Vielfalt bringen auch die unterschiedlichen Erzählperspektiven
in den Gedichten: in “Jesu Sweete, Sonne Dear”
spricht Maria direkt zum Kind, erzählt ihm von ihrem Schmerz. Und
auch in “At the Manger: Mary Sings” spricht sie
das Christuskind nochmals direkt an, obschon dieses Mal ihre Fragen
von weitaus größerer metaphorischer Natur sind. In “The
World’s Desire” beobachten wir nun Maria, und schließlich
lobpreist in “I Sing of a Maiden” ein anonymer
Beobachter die Jungfrau, wobei der mit großer Absicht neutral
gehaltenen Ton dieses dennoch feinsinnigen, pastoralen Gedichts die
Verbindung zwischen diesem Textpaar verstärkt.
Die
Uraufführung der Vier
Wiegenlieder wurde am 7. Juli 1991 von dem englischen
Ensemble Cantores Illuminati in St. Hedwig in Schwäbisch Gmünd
im Rahmen des alljährlich dort stattfindenden Europäischen
Festivals für Kirchenmusik gegeben und vom Komponisten dirigiert.
Auch der Carl-Orff-Chor Marktoberdorf nahm dieses Werk in
sein Repertoire auf und sang es etwa in St. Martin in Marktoberdorf
im Oktober 1999 unter der Leitung von Andreas Hermann. Früher im
selben Jahr wurde der Zyklus vom Choir of Queens’ College
Cambridge in der Philharmonie im Münchener Gasteig als Teil des
10. Internationalen Chorkonzerts aufgeführt. Die Vier Wiegenlieder wurden vom WDR in Köln und vom Bayerischen
Rundfunk aufgenommen. Der englische Kammerchor Polyphony spielte
die Werke für BBC Radio 3 ein.
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