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Ausschnitt
aus einem
Komponistenportrait
von Prof. Dr. Hans Rectanus
Nicht viele Komponisten
verstehen sich darauf, modern und eingängig, musikalisch
anspruchsvoll und singbar zugleich zu schreiben. Dass der in der
Nähe von Bingen lebende Professor Theo Fischer zu ihnen gehört,
wird dadurch erhellt, dass er zu den meistaufgeführten
Chorkomponisten der Bundesrepublik Deutschland gehört. Was ihn
besonders auszeichnet, ist die vollkommene Synthese zwischen Text
und Musik, die immer wieder gelingt, ob es sich um volkstümliche
Lieder und Kantaten oder um musikalisch, wie textlich anspruchsvolle
oratorische Szenen handelt.
Welche Gründe sind es,
die in der "vielstimmigen" Chormusikszene unserer Tage den
Komponisten Theo Fischer immer deutlicher hervortreten lassen, und
das nicht nur in Deutschland, sondern auch im deutsch- und
nichtdeutschsprachigen Ausland, wo in den letzten Jahren
insbesondere seine umfangreichen zyklischen Werke mit größtem
Erfolg aufgeführt wurden und - trotz der Sprachbarriere - beim
Publikum in jeder Hinsicht "ankamen"? Bei dem Versuch
einer Beschreibung dieser Komponistenpersönlichkeit muss die
Mehrdimensionalität betont herausgestellt werden, denn Theo Fischer
ist nicht nur Komponist, sondern auch ein bekannter Chor- und
Orchesterdirigent, Begleiter und hochgeachteter Musikpädagoge, zu
dessen schönsten Früchten die Entdeckung und Förderung junger
Talente gehört; der Schule Theo Fischers entstammen Dirigenten,
Instrumentalisten und gefeierte Gesangssolisten, die heute schon im
In- und Ausland einen hervorragenden Ruf genießen.
Professor Theo Fischer,
Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Münster-Sarmsheim im
Binger-Land, jener geschichtsträchtigen und rebenumrankten
Kulturlandschaft um Rhein und Nahe geboren, studierte im
instrumentalen Bereich (Hauptfach Violine, Klavier),
Musikwissenschaft, Chor- und Kapellmeister, und erweiterte seine
außergewöhnlichen kompositorischen Fähigkeiten bei herausragenden
Komponisten und Kompositionslehrern im In- und Ausland. Nach dem
Abschluß des Studienganges lassen die Prädikate der erfolgreichen
Examina aufhorchen und kündigen einen ungewöhnlichen
künstlerischen Werdegang an.
Unverwechselbar mit
charakteristisch-eigener Handschrift läßt sich der Komponist Theo
Fischer heute vernehmen, und der hier gegebene Raum scheint kaum
auszureichen, um das Spezifische dieses Musikers darzustellen, er
steht zwar auf dem Boden der Tonalität, wie Hindemith, an dessen
scharfpointierten Gestus manche thematische Erfindungen erinnern.
Und zweifellos gehört zu den eben erwähnten Merkmalen die
expressive Harmonik und - als das eigentlich persönliche Element
seiner Tonsprache - ein weiträumig fließendes Melos, das sich in
streng musikalischer Logik gemäß den ihm innewohnenden Gesetzen
aus der gespeicherten Energie entwickelt, dabei oft die Taktgrenzen
überschteitet, wie die zahlreichen angezeigten und begründeten
Taktwechsel nahelegen.
Theo Fischer schreibt auf dem
Chormusik-Sektor für alle Leistungsstufen; aus der Sicht der
Sängerinnen und Sänger sind seine Kompositionen beim ersten Blick
auf die Noten nicht ohne Schwierigkeiten, aber wenn man sie singt,
kommen sie den Stimmen entgegen und sind wie von selbst zu meistern.
Immer aber spürbar wird der menschliche Impetus seiner Werke und
ihre tiefempfundene Aussage; Völkerverständigung, Brücken bauen
zwischen den Völkern dieser Erde, Erhaltung und Bewahrung der
Schöpfung.
So ist Theo Fischer im Kontext der
heutigen Musikszene eine der markantesten Erscheinungen. Es gelingt
ihm, eigentlich heterogene Elemente zu einer überzeugenden Symbiose
zu verschmelzen; vielleicht ist gerade dies auch eines der
Geheimnisse seiner Musik und ihres "Ankommens".
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